Quelle: Jan Küstermeier
Quelle: Jan Küstermeier
Bei der Endrunde des Hallenturniers "Sparkassen Masters" kommt es am Sonntag (18. Januar) in der Soester Bördehalle zu einer Premiere: Die Schiedsrichter werden bestimmte Entscheidungen über das Mikrofon erklären. Marcel Voß, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses, beantwortet im Vorfeld die wichtigsten Fragen zum Pilotprojekt.
Wie kommt es dazu?"Dieter Bethlehem kam als Organisator des Turniers mit der Idee auf uns zu. Wir als Schiedsrichter-Ausschuss und als Kreis Soest sind grundsätzlich offen für solche Neuerungen und haben daher über einen möglichen Mehrwert diskutiert – mit dem Ergebnis, dass wir das mal versuchen möchten. Mir ist nicht bekannt, ob es etwas Ähnliches bereits irgendwo im Verband gibt, vielleicht sind wir da Westfalens Vorreiter. Ich habe mir dafür auch grünes Licht vom Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) eingeholt."
Was ist das Ziel?
"Die Durchsagen sollen in erster Linie Transparenz schaffen. Mittlerweile gehört es zum modernen Fußball irgendwie dazu, auch die Zuschauer mitzunehmen. Und gerade bei den Emotionen in der Halle kann das sinnvoll sein. Wir erhoffen uns dadurch mehr Verständnis für Entscheidungen im Publikum, aber auch bei den Mannschaften."
Wann kommt es zu den Durchsagen?
"Die Durchsagen sind für Situationen gedacht, die besonders unübersichtlich oder regeltechnisch komplex sind. Dafür gibt es zwar keine feste Definition, aber das kommt idealerweise nicht in jedem Spiel, sondern wahrscheinlich nur drei- oder viermal am ganzen Tag vor."
Wann zum Beispiel?
"Beispielsweise, wenn es mehrere Zeitstrafen und/oder Rote Karten für verschiedene Vergehen nach einer Rudelbildung gab. Oder in folgendem Szenario: Beide Teams spielen reduziert mit jeweils drei Feldspielern. Eine Mannschaft erzielt ein Tor, die Gegner vervollständigen sich fälschlicherweise, was der Schiedsrichter vielleicht spät oder sogar erst auf Hinweis eines Kollegen bemerkt. Das hatten wir in den vergangenen Wochen mehrfach und es hat aufgrund des zeitlichen Verzugs meist für allgemeine Ratlosigkeit bei den Fans gesorgt. Hier wird es dann eine knappe Erläuterung durch den Schiedsrichter geben. Das verzögert natürlich für einige Sekunden die Spielfortsetzung, verschafft allen aber auch eine kurze Pause zum Durchatmen."
Bei "normalen" Entscheidungen bleiben die Lautsprecher also stumm?
"Ja. Das ist wichtig. Es wird nicht darum gehen, zu erklären, warum es gerade eine Rote Karte oder einen Strafstoß gab. Für Szenen, in denen man darüber diskutieren kann, ob es beispielsweise ein Foul oder eine Notbremse war, sind die Durchsagen nicht vorgesehen. Hier könnte der Schiedsrichter nur seine Wahrnehmung schildern. Das hätte keinen großen Mehrwert – es bleibt dabei, dass viele Entscheidungen einfach im Graubereich und somit im Ermessen der Unparteiischen liegen."
Wie läuft das technisch ab?
"In der Bördehalle in Soest sitzt die Turnierleitung nicht in einer Sprecherkabine, sondern unmittelbar am Spielfeld, hinter der Bande. Der Schiedsrichter hat also keinen weiten Weg, um sich nochmal kurz fachlich mit einem zweiten Schiri abzustimmen und anschließend zum Mikrofon zu greifen. Ich hoffe auf eine deutlich verbesserte Qualität der Lautsprecher im Vergleich zum vergangenen Wochenende, damit alle dann auch (zumindest akustisch) verstehen können, was gesagt wird."
Dient der Profifußball als Vorbild?
"Natürlich liegt der Vergleich zum ,Public Announcement´, das im Sommer für die Bundesliga und 2. Bundesliga eingeführt wurde, nah. Doch es gibt einen erheblichen Unterschied: Im Profifußball werden in der Regel Entscheidungen erklärt, die durch den Video-Assistenten korrigiert wurden. Einen VAR haben wir im Amateurbereich und beim Masters aber natürlich nicht, die Durchsagen betreffen daher weiterhin ausschließlich Feldentscheidungen."
Was bedeutet die Neuerung für die Schiedsrichter?
"Wir werden die Unparteiischen natürlich noch entsprechend darauf vorbereiten. Denn das gehört normalerweise nicht zu den originären Aufgaben eines Schiris und stellt somit eine zusätzliche Herausforderung dar. Ich bin überzeugt davon, dass wir das gut meistern werden."
